In diesem Jahr habe ich das Adventslied »An dunklen, kalten Tagen« (Cosi IV, 702) für mich entdeckt, zu dem sich hier eine, wie ich finde, besonders gelungene Vertonung findet:
Besonders angetan hat es mir das Ende der zweiten Strophe: »Gott kommt, verscheucht die Schatten, die uns geängstigt hatten. Sein Licht geht auf zum neuen Tag.«
Ich könnte mit Rückblick auf dieses Jahr manches benennen, was mich »geängstigt« hat. Faszinierend finde ich dabei hier das Bild der »Schatten«. Schatten sind ja nicht einfach Halluzinationen, sondern sie bilden etwas ab von dem, was tatsächlich da ist. Je nachdem, wie das Licht fällt, erscheint das, was da als Schatten erkennbar ist, merkwürdig groß, verzerrt oder fremd – und macht so vielleicht mehr Angst als die Sache selbst.
Und zugleich gibt es Schatten nur dort, wo es Licht gibt. So ist die Angst vor den Schatten auch eine Erinnerung daran, dass es ein Licht gibt, Gottes Licht: Jesus Christus, der als Licht der Welt in die Welt gekommen ist.
Mit dem Advent beginnt dieses Licht aufs Neue zu leuchten. Noch sind die Schatten nicht weg. Manches macht mir noch Angst. Aber wenn ich auf das Licht, auf Jesus Christus, schaue, dann stelle ich fest, dass mancher schrecklicher Schatten eben doch nur eine optische Täuschung ist. Und ein neuer, ewiger Tag mit Jesus Christus steht vor der Tür, an dem nicht nur die Schatten verscheucht sein werden, sondern auch das an Sorgen und Ängsten, an Not, Schuld und Sünde, was heute noch Schatten wirft.
Ein Beitrag von Prof. Dr. Christoph Barnbrock, Professor an der LThH in Oberursel
