8. Türchen

Fern und doch nah

Kalt zieht es mir durch die Spitzen. Und gerade jetzt, wo es abends so schnell dunkel wird, ist es alles andere als ein schöner Platz hier. Ich liebe ihn trotzdem. Ich liebe ihn vielleicht gerade deswegen. Hier habe ich meine Ruhe, kann über alles hinwegsehen, kann Lichtspender und vor allem Hoffnungsbringer sein.

Da hättet ihr gestern mal da sein sollen. Die wunderschöne Magdalenen-Kapelle war voll mit Menschen, die sich in den ersten Advent einstimmen wollten. Den Hallensern (das sind die Menschen, die hier in Halle wohnen) geht es vielleicht auch so wie mir. Es ist zu kalt, zu dunkel, zu trostlos. Und doch kommen sie alle zum Gottesdienst und freuen sich, eine neue Kerze anzuzünden, einen neuen Advent zu beginnen. Sie freuen sich, als „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ angestimmt wird. Die Augen glänzen und die Stimmen werden lauter.

Das hört sich hier oben so gut an, dass ich bei „Komm, o mein Heiland Jesu Christ“ mit wackle. So stärken und trösten sich die Menschen durch Gesang oder durch Worte in schwierigen Zeiten. Und trotzdem verstehen erst manche, wenn sie auf mich schauen und wissen: Ja der Heiland kommt, es gibt Hoffnung! Wie ich damals den Weg zeigte, möchte ich auch noch heute Orientierung geben. Ich bin fern und doch ganz nah an dem Menschen. Das merke ich, als wir das letzte Lied singen (mein Lieblingslied) und es da heißt: „lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben“.

Da verfangen sich ein paar Blicke zu mir und ich merke:

Die Botschaft ist angekommen. Deshalb bin ich jedes Jahr wieder hier.

Ich, der Weihnachtsstern.

Ein Beitrag von Friedrich Kranz, Jugendmitarbeiter in Sachsen-Thüringen

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